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Die Pest im Mittelalter und ihre Folgen

Einer der Höhepunkte hierzu war die Führung zum gleichen Thema durch die Sonderausstellung des Deutschen Apotheken-Museums in Heidelberg. Lest die sehr gute schriftliche Ausarbeitung von Sebastian Hoehling, Arija Pelczer und Stephanie Hannig:

Unsere dritte Klasse der Sonderberufsfachschule ließ sich, am Donnerstag 21. Juni 2018, in der Ausstellung „Pesthauch und Himmelsduft“ im Deutschen Apotheken–Museum in ein düsteres Kapitel Europas versetzen.

Zu Beginn der Führung wurde uns der Medizinschrank eines Klosters aus dem 6. Jahrhundert gezeigt und was er in sich beherbergte.

In originalen Glasbehältern sind Mixturen aus Kräutern aus dem Klostergarten, Mineralien und kostbare Gewürze aus fernen Ländern, die oft eine Lieferzeit von einem halben bis zu mehreren Jahre haben konnten. Auch wurden Tierteile und sogar Menschenteile zur Heilung von Beschwerden verwendet. Aber der wohl skurrilste Inhalt war in zwei Glasbehältern. Sie waren mit Unicorn ves. und Unicorn Fosil beschriftet – Einhorn in Pulverform. Das Einhorn galt als das reinste Tier und soll alle Beschwerden heilen können. Nur die Reichen konnten sich dieses Mittel leisten. Dass das Horn von einem Narwal abstammte, wusste man damals nicht.

Das Wissen zu dieser Zeit stammte von den alten Griechen ab und wurde von Klöstern übernommen, die zur damaligen Zeit die einzigen waren, die die Kranken versorgten. Die Medikamente basierten oft auf Homöopathie, also „Gleiches mit Gleichem“ behandeln. Es wurde zum Beispiel Wildschweinzähne gegen Zahnschmerzen und Menschenschädeldeckel gegen Kopfschmerzen angewandt. Auch war es einfach ein Placebo-Effekt, also der reine Glauben daran, dass es die Beschwerden linderte.

Als wir durch die Ausstellung geführt wurden, hat man uns erklärt, dass die erste Pestwelle im 14. Jahrhundert eine große Veränderung für die Menschheit war. Zur Zeit der Pestwelle, die sechs Jahre überdauerte, erlag geschätzt ein Drittel der Bevölkerung Europas an der Pest. Die Pest veränderte die Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.

Aufgrund dessen, dass es immer weniger Bauern gab, die die Äcker bewirtschafteten, starben auch Menschen an der Hungersnot. Weil die Pest alle Schichten der Gesellschaft traf, veränderte sich auch das Weltbild der Menschen. Die Menschen konnten nicht glauben, dass ihr Gott sie so bestrafen würde und fingen an ihr christlich geprägtes Weltbild zu hinterfragen.

Die Zeit während der Pest war von Qualen und Hilflosigkeit geprägt.

Die Menschen suchten immer wieder Mut und Sicherheit bei Schutzheiligen, wie zum Beispiel dem heiligen Sebastian. Er war ein römischer Soldat, der im Krieg mit mehreren Pfeilen beschossen wurde und dies überlebte. Die Pfeile sollen Pestpfeile der Engel Gottes gewesen sein.

Auch suchte man einen Schuldigen für die Pestwelle. Die radikalen Flagellanten machten die Juden an diesem Grauen verantwortlich. Sie behaupten, dass die Juden die Brunnen vergifteten, weil Juden, durch ihr religiös bedingte Reinlichkeit, weniger von der Pest betroffen waren.

Die Führung wurde im Materia Medica fortgesetzt. Sie enthält Exponate, die sich aus 2000 verschiedenen Rohstoffen für die Medikamentenherstellung zusammensetzt.

In ihr wurde uns die damalige Idee erklärt, woher die Pest kam. Zur dieser Zeit dachte man, dass durch die schlechten Gerüche diese Symptome ausgelöst wurden. Man dachte, dass diese Gerüche aus einer tiefen Schicht der Erde kamen. Die Menschen glaubten, dass diese Gerüche die Pest auslöste und verbreitete. Deshalb versperrte man die Fenster Richtung Süden und Osten, damit die Gerüche nicht zu ihnen eindringen können. Familien ließen sich sogar einmauern mit einem reichlichen Vorrat, um sich zu isolieren und somit der Pest auszuweichen. Dennoch verstarben viele Menschen durch diese Methode, weil sie entweder doch an der Pest oder an Nahrungsmangel starben.

Aber man fand heraus, durch die Entdeckung der Bakterien im 18. Jahrhundert, dass die Pest durch ein Bakterium Namens “Yersinia pestis“ ausgelöst wurde. Durch Flohbisse wird sie von Wirt zu Wirt übertragen. Die unhygienischen Zustände, eng bebaute Städte und die Vielzahl an Ratten begünstigen die Verbreitung des Erregers. Durch die Vielzahl der Ratten konnte sich die Krankheit unbemerkt verbreiten.

Der Medicus, der einzige neben Priester und Totenträger, der zu den Kranken durfte, behandelte als einziger die Kranken. Mit Kräutern, Gewürzen, Mineralien und Räucherungen versuchte er den Infizierten zu helfen. Auch versuchte er, durch das Öffnen der eitrigen Beutel die Schmerzen zu lindern. Eine andere Möglichkeit war auch die Beulen mit der Hilfe eines erhitzten Eisen ab zu brennen und somit den Erkrankten zu behandeln. Weil man an das Modell der „schlechten Gerüche“ glaubte, war auch der Medicus entsprechend ausgestattet: er trug ein langen Ledermantel, Handschuhe, Lederschuhe mit hohen Absätzen und einen Hut. Auch hatte er einen langen Stab bei sich um den Körper zu pieken und nachzuschauen, ob dieser noch lebte. Doch das wohl markanteste Merkmal eines Medicuses war seine vogelähnliche Maske. In den Schnabel der Maske wurde ein Stück Stoff gelegt, der sehr stark nach Kräuter und Gewürzen roch.

Die Bürger versuchten die Pest einzudämmen, damit sie nicht noch mehr Menschen sterben sehen, die Angst war viel zu groß selbst zu erkranken.

Man versuchte zum Beispiel, vor dem Öffnen eines Briefes ihn mit einem Rastel zu durchbohren und dann über Rauch zu räuchern. Danach konnte man ihn gefahrlos öffnen. Unterwegs nutze man einen Bisons-Apfel. Er sieht aus wie ein Teeei und wurde mit stark riechende Kräutern und Gewürzen gefüllt. Auch war Essig sehr beliebt. Der bekannte Essig war der Räuberessig aus Marseille. Der Essig wurde in Tücher geträufelt und man hat sich damit eingerieben. Außerdem gab es Ein- und Ausreiseverbote, sie wollten nicht, dass noch mehr Menschen an dieser Krankheit starben und wollten sie dadurch eingrenzen. Wenn jemand einen Erkrankten in die Stadt brachte, wurde dieser mit dem Tod bestraft.

Zum Schluss wurde uns das Labor des Schlosses gezeigt. Dort hat man uns erzählt, dass in unserer heutigen Zeit immer noch Menschen der Pest erliegen.

Was haben wir aus der Pestepidemie gelernt?

Wir haben viel in die Medizinentwicklung investiert, somit auch in die Labore.

Aber wir haben auch hinsichtlich des Städtebaus unsere Lehren gezogen. Wir lassen viel mehr Platz zwischen den Häusern.

Unser Fazit ist, dass die Pest eine furchtbare Zeit verursachte und wir konnten uns kaum vorstellen, wie es sein muss, wenn alle um einen herum sterben – und auch wie es gerochen hatte. Doch wir waren auch sehr beeindruckt, welchen medizinischen Möglichkeiten man nutzte, um den Menschen zu helfen.

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